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Obama '08
m y b l o g
Wie auch immer man zu diesem Thema stehen mag, man sollte sich mit den Argumenten beider Seiten ernsthaft auseinander setzten. Ich habe dieses Buch gelesen und kann es nur jedem Interessierten empfehlen.
“Drawing on his unparalleled knowledge of international economics, Bhagwati dismantles the antiglobalization case. He persuasively argues that globalization often leads to greater general prosperity in an underdeveloped nation: it can reduce child labor, increase literacy, and enhance the economic and social standing of women. And to counter charges that globalization leads to cultural hegemony, to a bland “McWorld,” Bhagwati points to several examples, from literature to movies, in which globalization has led to a spicy hybrid of cultures.”
Das erste Kapitel gibt es unter obigem Link. Und so stimme ich ein und behaupte, die Globalisierung ist Teil der Loesung, nicht Teil des Problems. Beeindruckt war ich uebrigens von des Autors gutem Lyrik-Geschmack. So wird das folgende Rilke Gedichte von ihm im Schlusswort zitiert:
Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich ueber die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten wohl nicht vollbringen
aber versuchen will ich ihn.
Ich kreise um Gott, den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiss noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein grosser Gesang.
Die “State of the Union” Ansprache gibt es hier (auch als Video). Man mag politisch anderer Ansicht sein, aber ein Meisterwerk der Rhetorik ist sie sicher. Das Weisse Haus hat ohne Zweifel die besten Redenschreiber der Welt. Positiv ueberrascht war ich ueber die Aussagen zu alternativen Energien und der Einsparung von Oel (20% weniger in 10 Jahren). Nicht ueberrascht war ich ueber die Erhoehung der Truppenstaerke im Irak und das Gitmo unerwaehnt blieb. Da wird es hoffentlich noch einige Konflikte mit dem Senat geben. Am Ende wurden vier US-Buerger geehrt. Die Ehrung von Dikembe Mutombo fand ich irgendwie besonders nett, weil sie schoen zeigt, was US citizenship bedeutet. Auf- und angenommen zu sein, ohne sich von seiner Heimat und Herkunft abwenden zu muessen. Den amerikanischen Traum gibt es doch manchmal noch.
“Dikembe Mutombo grew up in Africa, amid great poverty and disease. He came to Georgetown University on a scholarship to study medicine — but Coach John Thompson got a look at Dikembe and had a different idea. (Laughter.) Dikembe became a star in the NBA, and a citizen of the United States. But he never forgot the land of his birth, or the duty to share his blessings with others. He built a brand new hospital in his old hometown. A friend has said of this good-hearted man: “Mutombo believes that God has given him this opportunity to do great things.” And we are proud to call this son of the Congo a citizen of the United States of America. (Standing Ovations, Applause.)”
“I’m in. And I’m in to win.”
Today, Hillary took the first step towards a run for the White House, opening a presidential exploratory committee. “The stakes will be high when America chooses a new president in 2008,” Hillary said. “No matter where you live, no matter what your political views, I want you to be part of this important conversation right at the start.”
Dann wuensche ich ihr mal alles Gute und hoffe ihr Privatleben wird nicht zu sehr in den Schmutz gezogen. Hier gibt es das Video, in der sie ihre Entscheidung begruendet.
Ich bin grosser Fan der Serie Scrubs. Warum habe ich an anderer Stelle schon geschrieben. Auch dass ich die deutsche Uebersetzung furchtbar finde ist kein Geheimnis. Sicherlich einer der Gruende, warum die Serie in Deutschland nur eine kleine Fangemeinde hat. Zach Braff spielt dort nun den Doktor “J.D.” und ist u.a. auch als Regisseur und Protagonist des Films “Garden State” bekannt geworden, dessen exzellenter Soundrack von ihm selbst zusammen gestellt wurde. Und da er, aber auch andere mit gutem (d.h. mit dem meinigen konformen) Musikgeschmack, fuer die Auswahl des Soundtracks der Fernsehserie verantwortlich sind, macht sie mich immer wieder auf interessante Kuenstler aufmerksam.
Aus der Serie “gehoert bei Scrubs” vorstellen darf ich heute also: Joshua Radin. Viel schreiben moechte ich nicht ueber die Musik; nur soviel: Sie ist eher ruhig und melancholisch — mal wieder etwas zum Traeumen. “We Were Here” heisst das Album, das im Februar 2006 erschienen ist und das ich jedem nur empfehlen kann. Anspieltipps: “Everything’ll Be Alright”, “Winter” und “Someone Else’s Life”.
Guantanamo oder Gitmo, wie es meist in den US-Medien genannt wird, ist zu einer Schande fuer die USA geworden, was nach einer Umfrage auch die meisten US-Buerger so sehen. Ich verstehe einige Blogs nicht, die zwar behaupten “liberal” und “freiheitlich” zu sein, aber dann einer Regierung erlauben wollen, Menschen ohne Recht auf Verteidiung, gar ohne formelle Anklage, in einem Gefaengnis festzuhalten, in dem auch noch nachweislich Foltermethoden angewandt wurden. Nicht nur, dass dies per se demokratischen und freiheitlichen Prinzipien widerspricht, es liefert auch solchen Menschen Totschlagargumente, die das wahre Boese immer nur in den USA und Isreal sehen und die das Gefahrenpotential herunterspielen, das von Islamisten ohne Frage ausgeht. Die einzige Moeglichkeit die doch der Westen hat, ist darauf zu hoffen, dass die moderaten Kraefte in Laendern wie Iran und Syrien sich irgendwann durchsetzen werden. Guantanamo Bay ist da ohne Zweifel kontraproduktiv, fuehrt es doch unweigerlich zu der Beurteilung, dass es im Westen auch nicht viel besser um die Freiheitsrechte bestellt ist, dass es dort vor Doppelmoral nur so wimmelt und dass Menschenrechte meist nur als Vorwand benutzt werden, um westliche Interessen durchzusetzen.
Deshalb kann ich mich nur den Worten von Thomas Friedmann anschliessen:
“It has become worse than an embarrassment. I am convinced that more Americans are dying and will die if we keep the Gitmo prison open than if we shut it down. So, please, Mr. President, just shut it down.”
“Abi ist nicht gleich Abi, sagen Bildungsforscher. Mit den Cleverles aus dem Sueden koennen Hamburgs Schueler nicht mithalten. Eine neue Studie zeigt: Selbst wer in Baden-Wuerttemberg nur den Grundkurs Mathematik belegt, weiss im Abitur mehr als ein Leistungskursler aus Hamburg.“
Ich verweise hiermit grinsend auf den SPON-Artikel.
Obwohl es nur noch zehn Minuten bis zum Vortrag Dr. Dominik Wichmanns sind, haben sich die Tueren des “Oak Room”, einer der nach Laubbaeumen benannten Konferenzzimmer des “Indiana Memorial Unions”, noch nicht geoeffnet. Im Flur davor sammeln sich schon ein paar Interessierte, bei denen es sich, dem Akzent nach zu urteilen (”is siss se toak vrom se sueddeutsche zeitung gaei? — ja ist es!”), hauptsaechlich um Deutsche handelt; der Jungmeister der deutschen Journalistengemeinde — der juengste Chefredakteur Deutschlands — hat gerufen, und seine an der “School of Journalism” studierenden Juenger sind gekommen.
Nach einer nicht enden wollenden Laudatio durch Fritz Breithaupt, Ph.D., ist es dann soweit, der Vortrag mit dem Titel “The State as Prey: Why the Common Good Is Being Sold Down the River in Europe” nimmt seinen Lauf. Unter dieser doch scharf formulierten Ueberschrift und die deutsche Medienlandschaft kennend, erwartet man einseitige Kapitalismuskritik vom Feinsten und hofft wenigstens auf einen klar artikulierten Standpunkt, den man greifen und angreifen kann. Jemand muss Dr. Wichmann allerdings gefluestert haben, dass man in den USA nicht so leicht mit linken Thesen punkten kann und anstatt die Heuschreckenpolemik auszubreiten, bleibt er merkwuerdig unentschieden und schwammig. Er nennt als Negativbeispiel fuer Privatisierungen die Umbenennung des Hamburger Volkspark Stadiums in “AOL Arena” und die “Verpflichtung” der Medien, auch diese Bezeichnung in ihrer Berichterstattung zu nutzen. Fuer ihn eine Einschraenkung der Meinungsfreiheit. Bis auf ein paar ihm zustimmende und entsetzt spielende Kopfschuettler in der ersten Reihe, schaut der Rest des amerikanischen Publikums etwas fragend; “Wie schraenkt das jetzt nochmal die Meinungsfreiheit ein?” Eine Antwort und eine genaue Rechtfertigung seiner These bleibt Wichmann ihnen schuldig. Auch dass Buerger der BRD dazu gezwungen werden durch ihre Steuern indirekt Stadien zu finanzieren, selbst wenn sie Fussball ueberhaupt nicht interessiert, und dass man dies ebenfalls eine Einschraenkung der persoenlichen Freiheit nennen koennte, bleibt natuerlich unerwaehnt. Enttaeuschend auch, dass Wiechmann nur abliest; er mag ein guter Schreiber sein, aber ein guter Redner ist er nicht, wobei man ihm zu Gute halten muss, dass er den Vortrag nicht in seiner Muttersprache haelt.
Wiechmann unterscheidet zwar zwischen “guten” und “schlechten” Privatisierungen, nennt aber keinerlei Kriterien, an denen man vorher erkennen koennte, um welche Art es sich nun handelt. [Dies mag damit zusammen haengen, dass sich eine Privatisierung a priori nur schlecht und meist erst in der Retrosprektive wirklich bewerten laesst.] Irgendwie ist sein Vortrag also nichts Halbes und nichts Ganzes, besonders da er sich ueberwiegend auf Beschreibungen beschraenkt und spaeter auch gegenueber einem fragenden Zuhoerer explizit erwaehnt, dass er “ja nur die Situation in Deutschland beschreiben und nicht bewerten moechte”*. Schade eigentlich! So eine lange Reise, um dann nur etwas zu erzaehlen, das sowieso schon jeder weiss bzw. ahnt.
Spaeter, als er mal wieder seine eigene Meinung durchschimmern laesst, begeht er dann noch einen Faux-Pas. Er beschwert sich ueber die einmonatige “Umbennenung” der Stadt Wolfsburg in “Golfsburg” fuer Werbezwecke und fragt, was denn bei einer solchen Verflechtung von “public” und “private” mit der Stadt passiere, wenn das Unternehmen irgendwann weg zoege. “Was bleibt da uebrig von einer Stadt?”*, fragt er und tut gerade so, als ob der Volkswagen Konzern eine historische und traditionsreiche Stadt uebernommen und, schlimm schlimm, kommerzialisiert haette. Vergessen hat er da wohl, dass Wolfsburg 1938 von den Nazis aus dem Boden gestampft wurde, aus dem einzigen Grund Volkswagen herzustellen. Bis zur Befreiung durch die Alliierten 1945 hatte sie den Namen “Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben”. Wo wir bei frueheren Reichs-Staatsunternehmen und deren Suenden waeren. Aber lassen wir das…
Zusammenfassend kann man sagen, dass er verpasst hat einen Standpunkt zu beziehen und Entwicklungen zu analysieren. Etwas, wofuer man eigentlich das Geld ausgibt, wenn man einen internationalen Redner einlaedt. Stattdessen hat er nur eine allgemein bekannte und ueberall anzutreffende Tatsache beschrieben. Und wenn mal eine persoenliche Meinung artikuliert wurde, dann immer nur durch die Bewertung von eher harmlosen Beispielen, die die Gefahren der Privatisierung [die es tatsaechlich gibt, Anm. d. A.] nicht wirklich heraus- und darstellen.
* Die Zitate wurden frei aus dem Englischen uebersetzt.
“I say to you today, my friends, so even though we face the difficulties of today and tomorrow, I still have a dream. It is a dream deeply rooted in the American dream. I have a dream that one day this nation will rise up and live out the true meaning of its creed: “We hold these truths to be self-evident: that all men are created equal.” I have a dream that one day on the red hills of Georgia the sons of former slaves and the sons of former slave owners will be able to sit down together at the table of brotherhood. I have a dream that one day even the state of Mississippi, a state sweltering with the heat of injustice, sweltering with the heat of oppression, will be transformed into an oasis of freedom and justice. I have a dream that my four little children will one day live in a nation where they will not be judged by the color of their skin but by the content of their character. I have a dream today. I have a dream that one day, down in Alabama, with its vicious racists, with its governor having his lips dripping with the words of interposition and nullification; one day right there in Alabama, little black boys and black girls will be able to join hands with little white boys and white girls as sisters and brothers.I have a dream today.”
Ich habe Michael Moores “Bowling for Columbine” gerne gesehen und halte, als nicht gerade Pro-Bush eingestellt, einige der Kritikpunkte fuer absolut gerechtfertigt. Auch die (in diesem Film noch gemaessigtere) Mischung aus Polemik und Komik ist in meinen Augen unvermeidbar, wenn man politische und soziale Missstaende vor einem breiten Publikum kritisieren moechte. Trotzdem, gerade weil Micheal Moore und seine Filme gerne von europaeischen Snobisten als Beleg fuer vermeintliche Doppelmoral und Kulturlosigkeit der USA verwendet werden, sollte man nicht unter den Teppich kehren, dass einige Aussagen des Film unwahr sind und dass nicht selten mit einer Mischung aus filmischen Tricks und Unterschlagung von unpassenden Fakten, Zustaende suggeriert werden, die zwar in das einfache, homogene und manchmal anti-amerikanische Weltbild einiger Menschen passen, aber nicht der Realitaet entsprechen.
Ich halte es also nur fuer fair — gerade weil ich mit einigen von Moores Kritikpunkten einverstanden bin — auch auf diesen Text zu verweisen, der mit vielen Quellenangaben einige der Widersprueche und Falschaussagen seiner Filme aufdeckt.
Fritz Breithaupt hat in einem Interview in der SZ vom 6. Maerz 2006 erklaert, warum es in Indiana so aufregend ist und angekuendigt, dass es einen Schub bei den Bewerbungen geben wird. Jetzt sind die Zahlen da, die diese Prognose bestaetigen.
p.s. Douglas Hofstadter, Autor von “Goedel, Escher, Bach“, der von Breithaupt so stolz erwaehnt wird, ist ein Professor in “Computer Science” und “Cognitive Science”.
Gefunden im Indiana Daily Student von heute.
Ich fuehle mich gerade voellig hinten dran, weil ich aus einem SPON Netzwelt Artikel erfahren muss, was HDR Fotografie ist und wie sie funktioniert. Haette ich das mal frueher gewusst…
65 Prozent der Deutschen sehen Israel als groesste Gefahr fuer den Weltfrieden. Warum?
Claudio Casula gibt mit seiner auf die Spitze getriebenen (durchaus polemisch vereinfachenden) Anleitung “So wird man Nahostkorrespondent” eine moegliche Antwort.
Ein paar Blogs die ich in letzter Zeit lese und die mich nicht zuletzt deswegen interessieren, weil sie einige meiner Ansichten teilen, die von sonst keinem deutsch-intellektuellen Mainstream-Medium geteilt werden (Spiegel, taz, SZ, ARD/ZDF, …), und dazu noch hervorragend geschrieben sind.
Lizas Welt
Die Achse des Guten
Statler und Waldorf
La Deutsche Vita
Bissige Liberale
Zusatz: Nach nun einigen Wochen des Mitlesens, kann ich sagen, dass auf diesen Blogs auch viel Polemik verbreitet wird. Da wird leider mit evtl. guten Absichten weit ueber das Ziel gefeuert, manchmal auch mit Kanonen auf Spatzen. Trotzdem ist es immer gut auch mal eine andere Perspektive/Meinung praesentiert zu bekommen. Und trotzdem haben die Autoren in vielen Punkten recht, wie ich finde.
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